Nachhaltigkeit

Das Thema Nachhaltigkeit in der Futtermittelwirtschaft

Neben einer einwandfreien Beschaffenheit von Produkten und deren messbaren Qualität rücken für den Konsumenten immer stärker der Produktionsprozess und der damit verbundene Einsatz von Ressourcen in den Blickpunkt der Produktbewertung, was folgerichtig – zumindest in Teilen – auch sein Konsumverhalten steuert. Dies gilt insbesondere für Produkte des täglichen Gebrauchs, wie zum Beispiel Nahrungs- bzw. Lebensmittel. So prägt seit geraumer Zeit der Begriff „Nachhaltigkeit“ das Geschehen in der Lebensmittelwirtschaft und im Lebensmitteleinzelhandel. Unternehmen sind angehalten, eine nachhaltige Wirtschaftsweise zu praktizieren und dies auch dokumentieren zu können. Dementsprechend werden vertrauensbildende, aber gleichzeitig auch objektive Messmethoden und Bewertungsschemata benötigt.

Für die Nachhaltigkeitsbewertung von Lebensmitteln tierischer Herkunft sind Futtermittel bzw. die Futtergrundlage eine der wichtigsten Einflussgrößen. Sobald Zertifizierungssysteme und Nachhaltigkeitsanforderungen für diese Lebensmittel gefordert werden, stellt sich die Frage, wie Futtermittel eingebunden werden können und welche Kriterien und Maßstäbe sinnvoll und praktisch anwendbar sind.

Genereller Ansatz

Nachhaltigkeit wird klassisch in drei Säulen definiert (ökonomisch, ökologisch und sozial). Innerhalb dieser Kategorien können einzelne Kriterien angelegt und bewertet werden. Um die Kriterien mess- und zertifizierbar zu gestalten, ist eine klare und eindeutige Definition erforderlich. Außerdem werden hierdurch mögliche Interpretationsspielräume minimiert, die beispielsweise durch Unterschiede im Nachhaltigkeitsverständnis entstehen können.

In der Tierernährung eingesetzte Erzeugnisse und Rohstoffe definieren sich in allererster Linie über die Effizienz bei der Verwertung zum tierischen Produkt, d. h. zu Milch, Fleisch und Eiern, zum Protein oder zur Energie im Zuwachs oder im Erzeugnis. Einer großen Variation von Energie- und Nährstoffgehalten oder anderen für die Futterverwertung relevanten Faktoren auf der Rohstoffseite stehen enorm unterschiedliche Bedarfsprofile zwischen Tierarten, Nutzungsrichtungen, Leistungsniveaus und Leistungsphasen gegenüber.

Bezugsgrößen

Eine Reihe von Maßnahmen führt zu einer deutlich verbesserten Futterverwertung zum tierischen Produkt, mithin zu einer Überkompensation des höheren Ressourceneinsatzes: Die Erzeugung des tierischen Lebensmittels wird effizienter und erfolgt mit geringerem spezifischem Ressourcenaufwand. Beispiele dafür sind:

  • eine hohe Nährstoffdichte (sprich: eine höhere Fütterungsintensität), die bei höheren Leistungen erforderlich wird
  • die technische Behandlung und Aufbereitung von Futtermitteln (Hitzebehandlung, thermischer Aufschluss, Pelletierung), bei denen mit einem höheren Aufwand an thermischer oder elektrischer Energie eine Verbesserung der ernährungsphysiologischen Eigenschaften und ein zusätzlicher Nährstoffaufschluss erreicht wird
  • Zusatzstoffe, die die Verdaulichkeit und Verfügbarkeit von Nährstoffen verbessern oder im Minimum befindliche Nährstoffe bereitstellen.

Die Nachhaltigkeitsbewertung von Futtermitteln ist aus diesen Gründen nur sinnhaft und vergleichbar, wenn sie auf das tierische Endprodukt bezogen wird, d. h. auf das Kilogramm Fleisch, den Liter Milch oder die Eimasse. Die Einheit Futtermittel ist als Bezugsgröße von begrenztem Wert; das gilt insbesondere für Treibhausgasbilanzierungen oder Carbon-footprint-Berechnungen.

Beitrag der Futtermittelwirtschaft zur Verwertung von Nebenprodukten

Hervorzuheben ist die Verwendung von Neben- und Koppelprodukten in der Tierernährung. Diese stammen im Schwerpunkt aus der Lebensmittelproduktion, aber auch aus der Verarbeitung von Agrarrohstoffen zu sonstigen Zwecken (z. B. Biokraftstoffe). Dazu zählen beispielsweise

  • Kleien und Nachmehle aus Mehlmühlen,
  • Ölschrote und -kuchen aus Ölmühlen,
  • Trockenschnitzel aus Zuckerfabriken,
  • Kleberfutter aus der Stärkeindustrie,
  • Molkeprodukte aus Molkereien,
  • Treber aus Brauereien usw.

Diese Erzeugnisse können nicht direkt für die menschliche Ernährung verwendet werden und bleiben über die Veredlung zu Fleisch, Milch und Eiern in der Lebensmittelkette.

Ein wichtiges Kriterium in diesem Zusammenhang ist, dass der Ressourcenaufwand für die Erzeugung der zugehörigen Ausgangsrohstoffe dem Hauptprodukt zuzurechnen ist, d. h. dem Speiseöl, den Biokraftstoffen, dem Mehl oder dem Zucker. Die Verwendung dieser Produkte trägt daher zur Erfüllung mehrerer Nachhaltigkeitskriterien gleichzeitig bei. Andererseits muss den Erfordernissen der Lebensmittelsicherheit absolute Priorität gegeben und eine klare Trennlinie zwischen der Verwendung von Koppelprodukten und dem Recycling von Abfällen gezogen werden. Letzteres darf nicht Aufgabe der Tierernährung sein.

 
Anmelden
Anmelden