Ist Bioenergie nachhaltig?

Leistet die Bioenergie einen nachhaltigen Beitrag zum Klimaschutz?  

Einfache überschlägige Berechnungen zeigen, dass selbst drastische Veränderungen in der Flächennutzung nur zu geringen Steigerungen des Anteils erneuerbarer Energien führen. Die gesamte Weltgetreideerzeugung könnte – zu Ethanol verarbeitet – lediglich 8,5 % des Welterdölverbrauches ersetzen; die Welterzeugung von pflanzlichen Ölen in Form von Biodiesel weitere 3,4 %.

Die Vorgabe, 25 % des Kraftstoffbedarfs und 10 % der Stromerzeugung in Deutschland mit Biokraftstoffen bzw. Biogasanlagen zu decken, würde etwa 16 Mio. ha Anbaufläche erfordern. Bei derzeit vorhandenen 12 Mio. ha Ackerfläche in Deutschland müssten also 4 Mio. ha – und soweit gewünscht, Flächen für die Lebensmittelproduktion – zusätzlich kultiviert oder erschlossen werden. Es ist also zu bezweifeln, dass die derzeitigen Bioenergie- und Biokraftstoff-Konzepte allein einen nachhaltigen Beitrag zu den gegenwärtigen Klimaschutzzielen leisten können.

Nachhaltigkeitszertifizierung für Biokraftstoffe

Im Zuge der öffentlichen „Teller oder Tank“-Debatte waren insbesondere die importierten Agrokraftstoffe mit dem Vorwurf der fehlenden Nachhaltigkeit im Hinblick auf den tatsächlichen beitrag zum Klimaschutz konfrontiert. Eine politische Reaktion darauf ist die Anforderung, für Agrarrohstoffe, die zur Bioenergienutzung verwendet werden, einen Nachweis der Nachhaltigkeit und einer positiven CO2-Bilanz zu verlangen. Dieser Grundsatz ist in der europäischen Richtlinie „zur Förderung der Nutzung von Energie aus erneuerbaren Quellen“ festgeschrieben. Die nationale Umsetzung soll über die Biomassestrom-Nachhaltigkeitsverordnung (BioSt-NachV) erfolgen. Demnach werden die Marktteilnehmer von Zertifizierungsstellen kontrolliert, ob sie Biomasse nachhaltig erzeugen. Die Zertifizierungssysteme und Zertifizierungsstellen sollen von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) anerkannt und kontrolliert werden.

Wie auch immer diese Zertifizierung praktikabel und ohne innereuropäische Wettbewerbsverzerrung umgesetzt wird, sei dahingestellt. In jedem Fall ist sie nicht auf die Lebens- und Futtermittelproduktion übertragbar: Der geforderte Nachweis der eingesparten CO2-Emmissionen orientiert sich am Referenzszenario für fossile Kraftstoffe und Energieträger, das für Lebensmittel nicht ableitbar ist.

 
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Links und Downloads

Rechtliche Grundlage für die Nachhaltigkeitszertifizierung ist die Europäische Erneuerbare-Energien-Richtlinie

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