Bio- oder Agroenergie

Bioenergie konkurriert mit Tierhaltung und Ernährungswirtschaft 

Die Bioenergieförderung in Form des „Erneuerbare Energien-Gesetzes“ und der Beimischungsquoten für Biokraftstoffe hat bekanntlich massive Investitionen in diesem Bereich ausgelöst. Die gesetzlich garantierte Einspeisevergütung und der Bonus, den Landwirte für nachwachsende Rohstoffe erhalten, die zur Biogaserzeugung angebaut werden, hat gerade auch in viehstarken Regionen zu einem sprunghaften Anstieg der Zahl der Biogasanlagen geführt. Derzeit zählen wir in Deutschland über 7.500 Anlagen, die zunehmend mit Mais betrieben werden. Aus der Zahl der Biogasanlagen und der Daten über die installierten Leistungen lässt sich abschätzen, dass eine Größenordnung von über 1 Million Hektar Anbaufläche dadurch gebunden wird. Diese Fläche steht der Tierhaltung nicht mehr zur Verfügung, mit der Folge, dass wachsenden und eigentlich zukunftsfähigen Veredelungsbetrieben neben den höheren Futterkosten erhebliche Wachstumskosten bei der Beschaffung der erforderlichen Flächen aufgebürdet werden.

Auch die Entwicklungen im Bioethanol-Sektor lassen eine drastische Verschärfung der Ressourcen- und Flächenkonkurrenz erwarten - unabhängig davon, ob sich für die Bioethanolproduktion eine wirtschaftliche Perspektive findet. Bereits 2007 wurden weltweit mehr als 5 Prozent der Getreideernte zur Bioenergieproduktion eingesetzt. Über 15 Prozent der Ackerfläche in Deutschland sind schon durch Bioenergie gebunden. Diese Entwicklungen mögen vordergründig positiv für die Primärerzeugung pflanzlicher Erzeugnisse sein. Auf andere landwirtschaftliche Sektoren, die Tierhaltung sowie auf die verarbeitende Industrie, hat sie durch die Verknappung von landwirtschaftlichen Nutzflächen und Rohstoffen unmittelbar negative Folgen.

Die gesamtwirtschaftliche Bilanz der Bioenergieförderung für den gesamten Agrar- und Ernährungssektor dürfte weit hinter den politischen Erwartungen zurückbleiben: Der zusätzlichen Wertschöpfung des landwirtschaftlichen Betriebszweiges Bioenergie stehen Einschränkungen in der Wertschöpfung aus der Milcherzeugung und der Veredelung - und letztlich auch aus der nachgelagerten Ernährungsindustrie - gegenüber. Diese Betriebe stehen im Wettbewerb mit Drittländern und anderen europäischen Produktionsregionen, die der Ressourcen- und Flächenkonkurrenz mit dem Bioenergiesektor nicht in diesem Umfang ausgesetzt sind. Als Folge einer originären Marktentwicklung, bei der die energetische Nutzung landwirtschaftlicher Rohstoffe zu einem eigenständigen und sich wirtschaftlich selbst tragenden Wirtschaftszweig wird, wäre dies nicht zu beanstanden. Dies ist aber nicht der Fall, die „Bioenergie-Marktordnung“ bringt einen handfesten Konflikt in die Landwirtschaft selbst hinein, bei dem der Veredelungsbranche, die bisher in freien und nicht durch Marktordnung regulierten Märkten gearbeitet hat, ein staatlich geförderter Wettbewerber entgegengesetzt wird. Das Ausmaß dieses Eingriffs ist am Pachtmarkt sichtbar: Der auf die Fläche umgerechnete Subventionsbetrag aus der EEG-Vergütung für Biogasanlagen liegt zwischen 2.000 und 2.500 Euro pro Hektar Silomais. In der langfristigen Perspektive für steigende Preise von Agrarrohstoffen und Lebensmitteln liegen Potenzial und Chancen für die Landwirtschaft. Die Rahmenbedingungen müssen jedoch gewährleisten, dass die Veredlungswirtschaft, insbesondere die Schweinehaltung, an dieser Entwicklung teilhaben kann und nicht Leidtragende der Bioenergieförderung wird.

 
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Links und Downloads

Stellungnahme des Deutschen Verbandes Tiernahrung e. V. zur Anhörung des Ausschusses Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz des Deutschen Bundestages am 12.11.2007 zum Thema Bioenergie / Ressourcenkonkurrenz

Biokraftstoffquoten verschärfen Ressourcenkonkurrenz

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