Zur aktuellen Dioxin-Warnung für einen Zusatzstoff

09.04.2013 14:44
Kategorie: Rohstoffe/Qualität
Von: Ra/bn

Durch die amtliche Untersuchung einer Vitamin-Vormischung, die Tocopherol enthält, wurde ein erhöhter Dioxin-Wert von 40 ng/kg festgestellt (= 40 pg/g). Die sofort eingeleiteten Verfolgsuntersuchungen zur Aufklärung, woher die Belastung stammt, haben ergeben, dass das aus China stammende Tocopherol mit 186 ng/kg belastet war. Für den Zusatzstoff Tocopherol existiert in der EU kein Grenzwert, die Zusatzstoffvormischung dürfte maximal 1,0 ng/kg enthalten. Nach Mitteilung der Überwachungsbehörden wurde die betroffene Vormischung bereits gesperrt, eine Weiterverarbeitung erfolgt nicht. Vorhandene Bestände werden von dem betroffenen Hersteller in Belgien zurückgeholt und vernichtet.

Tocopherol ist in diesem Fall als Antioxidans und damit nur in sehr kleinen Mengen in Futtermitteln eingesetzt. Daher werden die geltenden Grenzwerte für Futtermittel durch eine solchermaßen belastete Vormischung weit unterschritten. Ein Sicherheitsrisiko hat weder für Tiere noch für Menschen bestanden. Die Vormischung war für Heimtierfutter bestimmt. In Niedersachsen wurde die gesamte Menge der gelieferten Vormischung sichergestellt. Antioxidanzien vermindern die natürliche Oxidation von Fetten und beugen damit dem Verderb vor.

Geht man von einer durchschnittlichen Einsatzmenge von 200 mg Tocopherol je kg Alleinfutter aus, dann ergäbe sich im vorliegenden Fall eine Belastung des Endfutters mit 0,037 ng/kg Dioxin. Zum Vergleich: Der Grenzwert für Mischfutter liegt bei 0,75 ng/kg. Die Belastung eines Mischfutters aus der jetzt gefundenen Vormischung wäre also durchschnittlich nur rund ein Zwanzigstel des erlaubten Wertes. Im Sinne der Minimierung jeglicher Dioxin-Belastung wird dennoch die Vormischung wegen Grenzwertüberschreitung nicht mehr verwendet.

Ein Nanogramm (ng) entspricht dabei einem Milliardstel Gramm = 0,000.000.001 g

Die vorliegende Meldung zeigt zum wiederholten Mal, dass das Warnsystem für unerwünschte Stoffe funktioniert und bereits weit unterhalb von Grenzwertüberschreitungen in Futtermitteln eingreift. Dies ist im Sinne der Futterbranche, zu der auch die Zusatzstoffhersteller und die Hersteller von Vormischungen unverzichtbar gehören. Die schnelle und vollständige Information und Reaktion aller Beteiligten ist eine wichtige Voraussetzung für das reibungslose Funktionieren des Warnsystems. Der vorliegende Fall der Belastung eines Zusatzstoffes zeigt allerdings auch, wie wichtig es ist, dass die Kontrollen so weit vorne in der Futtermittelkette wie möglich eingreifen müssen. Eine Kontrolle am Endpunkt bzw. „Flaschenhals“ Mischfutter alleine käme hier zu spät, auch wenn im aktuellen Fall wegen der sehr niedrigen Grenzwerte und der vergleichsweise niedrigen Belastung  im Zusatzstoff auch dann kein direkter Schaden entstanden wäre. Die genaue Beobachtung von Importen ist bei Zusatzstoffen genauso wichtig wie bei Futtermittelrohwaren (z. B. Getreide).


 
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