DVT-Nr. 2019-10-115

Wirtschaft fordert Aktualisierung des Gentechnikrechts

23.10.2019 11:31
Kategorie: DVT/Service, Agrarpolitik

Der Deutsche Verband Tiernahrung e. V. (DVT) fordert gemeinsam mit 22 weiteren Verbänden der Agrar- und Ernährungswirtschaft in einem offenen Brief dazu auf, das veraltete EU-Gentechnikrecht an den Stand der Wissenschaft anzupassen und damit Rechtssicherheit im Agrarhandel zu gewährleisten.

Am 25. Juli 2018 urteilte der Europäische Gerichtshof (EuGH), dass alle mit neuen Züchtungsmethoden wie zum Beispiel CRISPR/Cas9 erzeugten Pflanzen pauschal als gentechnisch veränderte Organismen (GVO) einzustufen sind. Die Bilanz der Pflanzenzüchter ein Jahr nach dem Urteil des EuGH ist ernüchternd. Mit dem Urteilsspruch, der jegliche Anwendung neuer Züchtungsmethoden pauschal als GVO einstuft, sind die vielversprechenden Techniken für unsere vorrangig mittelständisch geprägte Branche für die Produktentwicklung de facto nicht mehr anwendbar.

Pflanzen, die mit Hilfe neuer Methoden erzeugt wurden, sich aber von klassisch

gezüchteten oder durch natürliche Mutation entstandenen Pflanzen nicht unterscheiden, sollten nicht als GVO eingestuft werden. An dieser Stelle stimmt das Gesetz nicht mehr mit der biologischen Realität überein und muss angepasst werden.

Die Landwirtschaft spürt den Klimawandel bereits, besonders aus den Erfahrungen der vergangenen Dürrejahre. Um Ernteausfälle zu minimieren, sind zügig widerstandsfähige Sorten gefragt, die mit den sich rasant ändernden klimatischen Bedingungen zurechtkommen. Die neuen Züchtungsmethoden besitzen das Potential, in relativ kurzer Zeit zur Lösung solcher Herausforderungen beizutragen. 

In vielen Ländern außerhalb der Europäischen Union sind die neuen Züchtungsmethoden Alltag. Produkte werden weder reguliert noch gekennzeichnet. Für die Einfuhr nach Europa gilt jedoch eine Genehmigungs- und Kennzeichnungspflicht. Da aber gerichtsfeste Nachweisverfahren für solche Produkte nicht existieren, ist eine Kontrolle unmöglich. Das stellt Rohstoffhändler und die gesamte Wertschöpfungskette vor große Herausforderungen. Damit die internationalen Handelsströme weiterhin funktionieren und die Versorgungsmärkte nicht gefährdet werden, müssen die Bestimmungen zu agrarischen Rohstoffen verschiedener Weltregionen miteinander kompatibel sein.

Die Presseinformation und den offenen Brief hierzu finden Sie dieser Meldung angehängt.


 
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