Nachgefragt: Was ist dran an Gen-Futter, Billigfleisch und Co.?

08.05.2014 11:59
Kategorie: DVT/Service
Von: bn

„Jetzt mit Gen-Futter“ – eine der Schlagzeilen, die in letzter Zeit in Zeitungen und im Internet häufiger zu lesen ist. Gemeint ist, dass Geflügelprodukte und Eier in Zukunft mit gentechnisch veränderten Pflanzen in der Fütterung hergestellt werden sollen und in der Folge die Preise für diese Produkte gesenkt wurden/werden könnten. Es steht die Behauptung im Raum, der Handel zahle die Mehrkosten für „gen-freies“ Futter nicht. Doch was steckt da genau dahinter? Worüber wird hier eigentlich geredet? Um für die Diskussion einige Fakten verfügbar zu haben, sind hier ein paar Fragen und wichtige Antworten darauf zusammengestellt.

Frage: Was ist das überhaupt genau: „Gen-Futter“?

„Gen-Futter“ ist ein umgangssprachlicher Begriff und hat sich, ähnlich wie in den letzten Jahren „Gen-Soja“, in der Öffentlichkeit und in Schlagzeilen gebildet.
Richtig müsste es heißen: Futter mit Bestandteilen, die gentechnisch verändert worden sind (GVO: gentechnisch veränderte Organismen). Bekanntestes Beispiel ist Soja, das in Futtermischungen als Sojaschrot mit eingesetzt wird. Das Schrot entsteht als Nebenprodukt bei der Herstellung von Sojaöl als Lebensmittel und ist für die Tiere ein hochwertiges Eiweißfutter. Es gibt einige gentechnisch veränderte Sojasorten, die teilweise seit Jahren zum Import und zur Verfütterung in der EU und damit auch in Deutschland zugelassen sind.
Weitere Infos hierzu: www.dvtiernahrung.de/aktuell/futterfakten/gentechnisch-veraenderte-futtermittel.html
und auf www.transgen.de/datenbank/pflanzen/67.sojabohne.html (mit Link zu den zugelassenen Sojasorten: www.transgen.de/zulassung/gvo/)

Frage: Ist „Gen-Futter“ für mich als Verbraucher gefährlich?

Nein. Gentechnisch veränderte oder mittels Gentechnik hergestellte Produkte durchlaufen in der EU einen langen und aufwändigen Zulassungsprozess, der eine umfassende Sicherheitsprüfung einschließt.
Prinzipiell birgt die Gentechnik per se keine Gefahren, die sich in einer mangelnden Futter- oder Lebensmittelqualität niederschlagen könnten. Alle anerkannten, wissenschaftlichen Untersuchungen haben bisher ergeben, dass die heute für eine Verwendung in Lebens- und/oder Futtermitteln freigegebenen gentechnisch veränderten Organismen unbedenklich sind und keine besonderen Risiken – weder für die Nutztiere noch für die menschliche Ernährung – darstellen.
Das Erbgut der Tiere, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert werden, verändert sich eben so wenig wie deren Produkte Eier, Milch oder Fleisch.

Frage: Ist das „Gen-Futter“ jetzt eigentlich neu? Seit wann gibt es das wirklich?

Die Verfütterung von Futterbestandteilen gentechnisch veränderter Sorten (GVO), z. B. Soja, ist nichts Neues. Die ersten Zulassungen und damit auch Einfuhren nach Europa gab es bereits im November 1996.
 

Frage: Wie steht denn der Verband zum Thema Gentechnik?

Grundsätzlich setzt sich der DVT beim Thema Gentechnik für die Wahlfreiheit ein. Das bedeutet: Die Hersteller nehmen die Wünsche und Bedürfnisse der Landwirtschaft auf und bieten ein breites Angebot an Futtermitteln an – mit und ohne gentechnisch veränderte Bestandteile.

Frage: Es gibt unterschiedliche Informationen über die verfügbare Ware ohne Gentechnik. Was sagt der DVT dazu?

Der DVT vertritt als Verband der Futtermittelbranche rund 80 Prozent der Futterhersteller in Deutschland. Über die Mitglieder besteht ein guter Einblick über die Verfügbarkeit von Rohwaren, die im Futter eingesetzt werden. Die Entscheidung von Teilen der Veredlungswirtschaft, ihre Zusage zurückzunehmen, in weiten Teilen gentechnikfreies Futter zu verwenden, kann der DVT nachvollziehen. Einer der Gründe ist die deutlich rückläufige Verfügbarkeit entsprechender Ware. Dazu kommt das Risiko, dass Gentechnik-freies Soja Spuren von GV-Soja aufweisen kann und dies aus technischen Gründen auch nicht zu vermeiden ist.

Anderslautende Angaben zur Verfügbarkeit sind bei einzelnen Anbietern nur eine Momentaufnahme ohne perspektivischen Ansatz. Die Futtermittelbranche aber arbeitet zur besseren Kalkulierbarkeit und in Verantwortung für die Kunden mit langfristigen Kontrakten. Dadurch kann sie die mengenmäßig abnehmende Verfügbarkeit GVO-freier Ware besser einschätzen.

Weitere Informationen auch unter Aktuell/Themen & Positionen: www.dvtiernahrung.de/aktuell/positionen/gruene-gentechnik.html


 
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