EU-Futterprotein-Bilanz: EU-Bedarf weitgehend gedeckt

08.07.2019 15:58
Kategorie: Rohstoffe/Qualität, Tierernährung, Markt/Statistik

Der Deutsche Verband Tiernahrung weist darauf hin, dass die von der EU-Kommission veröffentlichte aktuelle Protein-Bilanz für Futter erstmalig den differenzierten Bedarf an Eiweiß für die Futtermittelversorgung deutlich macht. Zum einen ist für Berechnungen in der Tierernährung das Raufutter zu berücksichtigen und dafür europaweit ermittelt worden. Mit ihm wird schon ein ganz wesentlicher Teil des Eiweißbedarfs abgedeckt. „Betrachtet man den gesamten EU-Verbrauch von Futtermitteln, so stammen etwa 80 Prozent aus EU-Ursprung“, rechnet Dr. Hermann-Josef Baaken, DVT-Geschäftsführer, vor. Raufutter wie Gras und Silomais seien die Hauptquelle für Futterproteine, die 45 Prozent des gesamten Futtereinsatzes in der EU ausmachen. Erst danach kommt die wertvolle Eiweißquelle „Ölsaaten“ mit 26 Prozent. Das Getreide folgt mit 24 Prozent.

Die EU-Futterprotein-Bilanz stellt das Futterangebot, die Nachfrage und den Handel verschiedener Proteinquellen dar. Das sind Pflanzen (Getreide, Ölsaaten, Hülsenfrüchte), Co-Produkte (Ölsaaten und andere proteinreiche Materialien, die aus verarbeiteten Ackerkulturen stammen), nicht pflanzenbasierte Produkte (tierische Proteine, ehemalige Lebensmittel) und Raufutter (Gras, Silomais, Futterleguminosen). Die jüngsten Erhebungen zeigen, dass Niedrig-Proteine (das sind Futtermittelrohstoffe mit weniger als 15 Prozent des Proteingehalts) einen Selbstversorgungsgrad von 97 Prozent erreichen, die Futtermittelrohstoffe mit einem mittleren Proteingehalt (15–30 Prozent des Proteingehalts) decken zu 75 Prozent den Bedarf. 

Die hochproteinhaltigen Rohstoffe (30-50 Prozent des Proteingehalts) stammen nur zu 29 Prozent aus der EU, während die sehr hoch-proteinhaltigen so genannten „SuperPRO-Feed“-Rohstoffe (mit über 50 Prozent Proteingehalt) sogar zu 92 Prozent in der EU selbst erzeugt werden. Insgesamt sind etwa 80 Prozent der gesamten EU-Verwendung von Futtermittelrohstoffen aus der Europäischen Union. Der Importbedarf besteht nur für einen Teil der proteinhaltigen Rohstoffe, nämlich Raps und Soja. 

Baaken: „Damit relativiert sich die Forderung nach einer Stärkung der regionalen Versorgung, weil große Teile der Eiweißversorgung in Europa durch eigene Rohstoffquellen sichergestellt werden.“ Es sei das Ziel der Futtermittelwirtschaft, die Abhängigkeit von Drittländern weiter zu reduzieren, aber auf der anderen Seite auch den globalen Markt, die Verfügbarkeit von pflanzlichen Rohstoffen und die regionalen klimatischen Standortvorteile für den Import und Export zu nutzen. Damit könne auch den Ländern mit stark wachsendem Eiweißbedarf für die Humanernährung in Asien und Lateinamerika geholfen werden. Fundamental sieht der DVT auch weiterhin, dass sich alle Eiweißquellen für die Tierernährung den Forderungen der Nachhaltigkeit stellen müssen. Die Wirtschaft habe in den vergangenen Jahren hierzu erhebliche Fortschritte erzielt. Nachhaltig produziertes Soja aus Brasilien und USA habe die gleiche Wertschätzung wie Grünlandsilage, Mais, Getreide, Leguminosen und Raps aus Europa.


 
Anmelden
Anmelden