EU-Agrarrat: Empfehlungen der EU-Futtermittelindustrie zur europäischen Proteinversorgung

16.10.2020 12:09
Kategorie: Agrarpolitik

Bonn. Mit Blick auf die vom 19. bis 20. Oktober stattfindende Tagung des Europäischen Rates für Landwirtschaft und Fischerei begrüßt der europäische Dachverband der Futtermittelindustrie (FEFAC) ausdrücklich das Bestreben der EU, den Protein-Selbstversorgungsgrad zu erhöhen. „Die zunehmende Eigenversorgung wirkt sich positiv auf die Ernährungssicherheit und -unabhängigkeit der EU aus. Außerdem dient sie den im Green Deal verankerten Nachhaltigkeitszielen“, betont Dr. Hermann-Josef Baaken, Sprecher der Geschäftsführung des Deutschen Verbands Tiernahrung e. V. (DVT), dem größtem FEFAC-Mitgliedsverband.

FEFAC formuliert in einem Schreiben an Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner die Anliegen zur zukünftigen Ausgestaltung der EU-Proteinversorgung. Nach aktuellen Angaben der EU liege der Protein-Selbstversorgungsgrad derzeit bei rund 78 Prozent. Doch gerade mit Blick auf die hochproteinhaltigen Futtermittel (Proteingehalt von 30 - 35 Prozent) seien die europäischen Länder weiterhin auf Importe aus Übersee angewiesen. Nach Angaben der EU sei auch nicht davon auszugehen, dass sich an dieser Situation in absehbarer Zeit etwas ändern werde.

Vor diesem Hintergrund weisen die europäischen Futtermittelhersteller erneut auf die hohe Bedeutung eines offenen Marktzugangs für importierte pflanzliche Proteine hin. Der Weg zu einer autonomen Proteinversorgung der EU erfordere eine langfristige Strategie und Weitblick. In der Vergangenheit sei deutlich geworden, dass die Gemeinsame Europäische Agrarpolitik (GAP) über wirksame Instrumente zur Unterstützung des Eiweißpflanzenanbaus verfüge. Daher empfiehlt FEFAC, diese insbesondere bei der Ausgestaltung der nationalen Strategiepläne zu berücksichtigen.

„Die Futtermittelwirtschaft entwickelt stetig neue Maßnahmen, um die Proteinversorgung in der Nutztierfütterung effizienter und nachhaltiger zu gestalten“, erklärt FEFAC-Präsident Asbjørn Børsting. So hätten sich die europäischen Hersteller von Tiernahrung in Zusammenarbeit mit weiteren Partnern der Wertschöpfungskette intensiv mit der Entwicklung alternativer Proteinquellen, innovativer Fütterungssysteme sowie der Verbesserung der Verdaulichkeit und Proteinqualität befasst. Durch die Innovationen der letzten Jahre hätten die eingesetzten Mengen an Rohprotein in der Nutztierfütterung insgesamt gesenkt und Ausscheidungsverluste minimiert werden können.

In der kürzlich veröffentlichten FEFAC-Nachhaltigkeits-Charta formulieren die europäischen Futtermittelverbände zudem fünf Kernziele zur Entwicklung einer nachhaltigeren Tierhaltung und Fischzucht. Drei davon wirken direkt oder indirekt auf den EU-Proteinplan.

Mit Blick auf die bereits bestehenden Bemühungen von Politik und Wirtschaft verweist Børsting auf die wichtige Rolle der neuen Züchtungsmethoden. Diese könnten die Wettbewerbsfähigkeit von Eiweißpflanzen und Ölsaaten in der EU deutlich steigern. Børsting: „Einerseits brauchen wir neue Züchtungserfolge für die Steigerung der Produktivität und somit der Ertragsleistung der Pflanzen. Anderseits können wir mit dieser Technologie verbesserte Aminosäurezusammen-setzungen erreichen, die wiederum eine bessere Verdaulichkeit zur Folge haben.“ Die gesellschaftliche Akzeptanz, so der FEFAC-Präsident, sei für einen erfolgreichen Marktzugang jedoch ein wesentliches Element.


 
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