Forschung in der Tierernährung

Die Forschung in der Tierernährung dient wie alles im Bereich der Tierhaltung, einem vorrangigen Ziel: Tiere, die sich in der Betreuung und Pflege von Menschen befinden, sollen bestmöglich versorgt werden. Forschungsarbeiten liefern Ergebnisse in wissenschaftlicher, technischer oder wirtschaftlicher Hinsicht zur Verbesserung der Ernährung landwirtschaftlicher Nutztiere und Heimtiere. Die Anfänge liegen unter anderem bei Wilhelm Henneberg (1825 – 1890), dem Begründer der wissenschaftlichen Tierernährung, und seinem Schüler und Nachfolger, Franz Lehmann (1860 – 1942). Erste Informationen über die Verdauung der Tiere und die Festlegung von analytischen Methoden, die heute noch gelten (z. B. Weender Futtermittelanalyse), erfolgten also schon vor langer Zeit.

Über Fütterungstests werden regelmäßig von Futterherstellern direkt und Instituten/Universitäten spezifische Fragen beantwortet. Universitäten und Hochschulen führen dabei entweder eigene Fütterungsstudien durch oder sie forschen im Auftrag Dritter. Futterhersteller arbeiten auch oft mit Landwirten zusammen, um zum Beispiel neue Futterrezepturen in Realsituationen zu überprüfen.

Umso genau wie möglich zu wissen, wie eine optimale Tierernährung aussieht, wird die Forschung in diesem Bereich in zwei hauptsächliche Gebiete aufgeteilt:

  • Grundlagenforschung und
  • angewandte Forschung.

Grundlagenforschung
Hier geht es darum, genau zu wissen, wie die Verdauung bei den unterschiedlichen Tieren funktioniert und welchen Bedarf an Nährstoffen sie haben – also grundlegende physiologische Fragen zu klären.

Der Bedarf an Nährstoffen ist sehr unterschiedlich und hängt ab von Tierart und -rasse, Alter und Nutzungsrichtung – also, ob es beispielsweise

  • ein Freizeitpony oder ein Turnierpferd ist,
  • ein großer Rettungshund oder ein kleiner, alter Hund als Familienmitglied oder auch
  • eine Milchkuh oder ein Mastrind,
  • eine Sau mit Ferkeln oder ein Mastschwein oder
  • eine Legehenne, eine Pute oder vielleicht auch eine Zuchttaube oder ein Wellensittich.

Die Beeinflussung der grundlegenden Vorgänge im Zellstoffwechsel und Wechselbeziehungen zwischen Ernährung und Körperfunktionen gehören ebenso zur Grundlagenforschung der Tierernährung wie die Funktionen des Darms und seine Gesunderhaltung.

Angewandte Forschung
Bei der angewandten Forschung geht es konkret darum, zielgenau ernähren zu können. Kurz gesagt: Mit möglichst wenig Input (= Futter) bestmögliche Tierversorgung mit geringstmöglichem Output (= Kot, Ausscheidung) realisieren. Somit wird die Umwelt so wenig wie möglich belastet.
Spezielle Fragen sind bei der angewandten Forschung auch, wie man bestimmte kritische Stoffe noch weiter in den Ausscheidungen senken kann, aber gleichzeitig den Nährstoffbedarf der Tiere erfüllt, zum Beispiel bei Stickstoff oder Phosphor.

Futtermittelkunde, lange in der Forschung vernachlässigt, wird wieder deutlich stärker beachtet: Die natürliche Zusammensetzung der einzelnen Futtermittel schwankt je nach den Anbau- und Saisonverhältnissen. Futtermittel können auch natürlich vorkommende Stoffe enthalten, die in der Tierhaltung eher negativ sind – z. B. Blausäure in Leinsaat. Schließlich stammen immer mehr Futtermittel als Koppelprodukte aus der industriellen Verarbeitung von Lebensmitteln und schwanken daher in ihrer Zusammensetzung je nach Verarbeitungsgrad stark. Fundierte Kenntnisse über die einzelnen Futtermittel sind daher die Grundlage aller Bemühungen um wirksame Qualitätssicherung.

Moderne Tierernährung ist ein wissens- und wissenschaftsbasierter Wirtschaftszweig. Diese Grundaussage gewinnt vor dem Hintergrund immer neuer, hochinteressanter und zugleich immer detaillierter werdender Ergebnisse immer größere Bedeutung.

 
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DVT-FutterFakten:
Forschung in der Tierernährung
(Stand Juli 2016)

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