Tierernährung - häufige Irrtümer

Immer wieder begegnen einem Vorurteile und Aussagen rund um das Thema Tierernährung und Futtermittel, die nicht stimmen bzw. die Wahrheit verzerrt wiedergeben. Hier sind einmal die häufigsten Irrtümer zusammen- und in Kürze richtiggestellt.

Mit „Turbofuttern“ werden die Tiere zu nicht artgerechten Milch-, Fleisch- und Legeleistungen getrieben.

Das stimmt so nicht. Die Nährstoffversorgung der Tiere muss der Leistung (tägliche Zunahme, Legeleistung, Legephase), dem Alter und der Wachstums- oder Stoffwechselphase entsprechen. Allerdings ist hier die jeweilige Genetik der Tiere der Taktgeber und bestimmt das Leistungsvermögen und damit das, was die Tiere benötigen, um gesund zu bleiben. Liefert das Futter die nötigen Nährstoffe nicht, gibt es dementsprechend gesundheitliche Probleme – beim Tier ähnlich wie beim Menschen.

Die deutsche Tierhaltung wird überwiegend mit Importfuttermitteln versorgt.

Falsch. Deutschlands Nutztiere fressen insgesamt jährlich 82 Millionen Tonnen Futter. Davon stammten 2009/10 nur etwa 8 % nicht aus Deutschland, sondern aus anderen EU-Mitgliedstaaten und Drittländern. Die Importe sind aber unterschiedlich verteilt, Eiweißfuttermittel haben einen hohen Anteil, weil ihr Anbau in Europa wenig attraktiv ist.

Soja für die Fleischerzeugung in Europa zerstört den Regenwald.

Eine falsche und verzerrende Zuspitzung. Der weitaus größte Teil der in Europa verwendeten Sojaprodukte stammt von traditionellen Anbauflächen, auf denen bereits seit Jahrzehnten Sojaanbau stattfindet (USA, Argentinien und Südbrasilien). Das in der Fütterung verwendete Sojaschrot stellt übrigens ein Koppelprodukt der Speiseölerzeugung dar.

Während der europäische Sojaverbrauch seit Jahren stagniert und sogar im Langfristtrend rückläufig ist (siehe auch Nr. 2), sind die Sojaanbauflächen in Südamerika in den zurückliegenden Jahren ausgedehnt worden, angetrieben von der gestiegenen Nachfrage aus Asien, vor allem aus China. Diese zusätzlichen Anbauflächen liegen überwiegend nicht in der Amazonasregion. Die Zerstörung der Primärwälder hat viele Ursachen, die sozioökonomischer Natur sind und die den Bedingungen von Schwellenländern geschuldet sind. Eine Zuspitzung auf den Sojaanbau ist vom europäischen Sofa aus sicher bequem und plakativ, geht aber an den tatsächlichen Problemen vorbei.

Die Hersteller können in ihrem Futter alles Mögliche unkontrolliert untermischen.

Auch wenn man damit am Stammtisch punkten kann: Falsch. Futtermittel und ihre sämtlichen Bestandteile sind umfangreicher offenzulegen und zu kennzeichnen als die meisten Lebensmittel, so fordert es das europäische Futtermittelrecht. Die Kennzeichnung von Futter ist ein wesentlicher Bestandteil der Information an den Landwirt. Auch das Netz behördlicher Kontrollen ist engmaschig, wie die Kontrollstatistiken belegen.

Für ein Kilogramm Rindfleisch benötigt man sieben Kilogramm Getreide.

Diese Aussage ist „doppelt falsch“. Zum Einen: Wiederkäuer können nicht ausschließlich mit Getreide und ähnlichen Produkten ernährt werden. Sie benötigen eine Mindestmenge an faserreichen Futtermitteln (Grasprodukte wie Heu, Silagen und andere Raufutter), damit ihr Vormagensystem richtig funktioniert. Zum Anderen: Unter europäischen Bedingungen könnte die These allenfalls lauten: Für ein Kilogramm Rindfleisch benötigt man bis zu sieben Kilogramm Biomasse. Neben den erwähnten Raufuttermitteln (die Menschen im Gegensatz zu Wiederkäuern nicht verdauen können) werden vor allem Nebenprodukte aus der Lebensmittelherstellung eingesetzt, welche nicht direkt für die menschliche Ernährung verwendet werden können. Diese Produkte kommen beispielsweise aus Mehlmühlen (Kleie), Ölmühlen (Ölschrote), Zuckerfabriken (Melasse, Trockenschnitzel), Stärkefabriken, Molkereien, Brauereien usw.

Der Landwirt kann seinen Tieren füttern, was er will.

Nein, das kann er nicht. Jeder Landwirt, der lebensmittelliefernde Tiere hält, hat sich an die Vorgaben des Futtermittel-, Veterinär- und Lebensmittelrechts zu halten. Diese beziehen sich unter anderem auf die Auswahl der Futtermittel, deren Erzeugung und Verfütterung.

 
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