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Auftakt

16.02.2010

Bernd Springer, Deutscher Fachverlag,
Frankfurt am Main
Publiziert in: Kraftfutter/FeedMagazine 1-2/2010

Das Jahr 2010 begann agrarwirtschaftlich mit mehreren Unbekannten. Dennoch herrschte beispielsweise auf der Grünen Woche in Berlin Anfang Januar keine Ratlosigkeit. Zwar ließen sich weder Bundeslandwirtschaftsministerin Ilse Aigner noch Bauernverbandspräsident Gerd Sonnleitner zu Aussagen über die Gemeinsame EU-Agrarpolitik (GAP) nach 2013 entlocken. Aus der Distanz signalisierte der künftige EU-Agrarkommissar Dr. Dacian Ciolos, Rumänien, jedoch, dass er eine stabile Fortentwicklung der GAP in den bestehenden zwei Säulen anstrebe. Er sieht in angemessenen Einkommen der Landwirte die Grundlage für eine nachhaltige Lebensmittelversorgung in der EU. In Bezug auf teilweise extreme Preisvolatilitäten auf den Agrarmärkten kündigte er moderne Risikoinstrumente an. Ferner erkennt der Kommissar auch politischen Handlungsbedarf bei den Wettbewerbsregeln für die Lebensmittelkette.

Der Klimaschutz war weiteres bestimmendes Thema. Hat doch die Klimakonferenz in Kopenhagen mehr Fragen als Antworten hinterlassen. Und dies lag nicht nur daran, dass es mental schwierig ist, in einem frostigen Kopenhagen über schnelle Schritte gegen die Erwärmung nachzudenken. Vielmehr fehlen belastbare Untersuchungen und Bewertungen, allenthalben in der Landwirtschaft. So ist noch nicht einmal klar, welche Klimagasemissionen ursächlich der Landwirtschaft zuzurechnen sind und welche nicht. Die Einordnung, welche Verfahren zu welchen Klimagasemissionen führen, ist noch ungleich schwerer, wie Prof. Gerhard Flachowsky vom Institut für Tierernährung des Friedrich-Löffler-Instituts, Braunschweig, kürzlich betonte. Ohne präzise Kenntnis des Status Quo sind aber auch keine seriöse Maßnahmenforderungen zu formulieren. Dennoch wird der Klimaschutz ein gewichtiges Diskussionsthema für die Landwirtschaft bleiben.

Positive Signale sind in der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung zu spüren, die über kurz oder lang auch auf die Agrarwirtschaft durchschlagen dürften. So hat der Ostausschuss der Deutschen Wirtschaft festgestellt, dass in Osteuropa für das Jahr 2010 mit einem soliden Wirtschaftswachstum zu rechnen ist. Der Ausschuss prognostiziert das Wachstum in 2010 für Mittel-/Osteuropa auf + 2 Prozent, für Russland auf +3,5 Prozent und für Zentralasien auf + 4,5 Prozent. Das wirtschaftliche Krisenjahr 2009 habe einen wichtigen Reifeprozess in den jungen Marktwirtschaften Osteuropas ausgelöst, urteilt der Ost-Ausschuss. Deren Vorsitzender Klaus Mangold sagt: „Die Übertreibungen, die es am Ende der langen Boomphase in Osteuropa gegeben hat, werden nun schrittweise korrigiert. Das Wachstum kehrt 2010 zurück. Es fällt moderater, aber dafür nachhaltiger aus“. Er erkennt dabei drei wichtige Entwicklungstrends: Europa hat durch die Krise wirtschaftlich und politisch enger zusammengefunden, verschleppte Wirtschaftsreformen sind auf die Agenda zurückgekehrt und westliche Unternehmen halten an ihrer starken Präsenz in Mittel- und Osteuropa fest und bauen sie weiter aus.

Ein sicheres Wirtschaftswachstum Osteuropas dürfte sich positiv auf die Nachfrage nach hochwertigen Agrarprodukten auswirken, wovon eine spürbar Marktbelebung zu erwarten ist.

Die Mischfutterindustrie hat das Interesse von Politik, Lebensmittelbranche und Verbrauchern an der Grünen Woche genutzt, um die Einbindung der Futtermittelindustrie in die Lebensmittelindustrie zu demonstrieren. „Wir machen Tiernahrung“ – damit präsentierte sich der Deutsche Verband Tiernahrung (DVT) auf dem ErlebnisBauernhof als wichtiger Teil der Agrar- und Lebensmittelkette. In diesem Jahr setzte der Verband den Fokus auf die Vielzahl spezialisierter Futtersorten, welche die Tiere artgemäß und bedarfsgerecht ernähren und versorgen.

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