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Wiederaufbau und Wachstum

Im Gegensatz zu 1918 stand die Mischfutterindustrie im Jahr 1945 vor einem totalen Neuaufbau. Der Verlust Ostdeutschlands und damit auch der ostdeutschen Betriebe bedeutete für die verbliebenen Unternehmen eine völlige Neuorientierung auf den Bezugs- und Absatzmärkten. In den ersten Jahren nach dem Krieg erfolgte die Rohstoffzuteilung über die Landesämter für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten. Trotz der schwierigen Bedingungen konnten im Jahr 1946 insgesamt 137.451 t Mischfutter produziert werden und in den Folgejahren kam es zu einem allmählichen Anstieg der Herstellungsmengen. Mit der Währungsreform von 1948 erfuhr auch die Mischfutterindustrie einen Aufschwung. Die tierische Veredelungsproduktion dehnte sich verstärkt aus, um die neuerliche Nachfrage nach tierischen Produkten zu befriedigen, und die enge Verzahnung zwischen Landwirtschaft und Mischfutterindustrie wurde nun deutlicher erkennbar als früher.

Die gesetzlichen Vorgaben auf dem Mischfuttersektor wurden zu dieser Zeit ebenfalls nivelliert. Im Jahr 1951 trat die Anordnung über Futtermittel, Mischfuttermittel und Mischungen in Kraft, die das Futtermittelgesetz aus dem Jahr 1926 ergänzt und mit zusätzlichen Vorschriften die Anpassung an die Entwicklung zur sozialen Marktwirtschaft und den damit verbundenen veränderten Marktgegebenheiten bezweckte.

Die Wachstumsphase

In den fünfziger Jahren nahm der jährliche Absatz von Mischfutter ständig und erheblich zu. Im Jahr 1953 wurde erstmals die 1 Mio. Tonnen-Grenze überschritten, also in etwa der Produktionsstand kurz vor dem ersten Weltkrieg bzw. zu Beginn der dreißiger Jahre.

Danach nahm die Absatzentwicklung einen sprunghaften Verlauf und es kam in den folgenden Jahrzehnten zu einem jährlich steigenden Produktionswachstum, und zwar im Durchschnitt der fünfziger Jahre um jährlich 300.000 Tonnen, in den sechziger Jahren um jährlich 600.000 Tonnen und in den siebziger Jahren um jährlich etwa 700.000 Tonnen. Ursache für diese Entwicklung war der stetig zunehmende Bedarf an Rinder- und Schweinemischfutter. Geflügelmischfutter hatte bereits zuvor in den fünfziger Jahren eine anteilig hohe Bedeutung gerade im Bereich der Alleinfutter erlangt und wuchs in den folgenden Dekaden nicht entsprechend mit.

Der starke Anstieg der Mischfutterproduktion erreichte in der Bundesrepublik seinen Höhepunkt im Wirtschaftsjahr 1983/84 mit rund 18 Millionen Tonnen, fiel nach Einführung der Milchquotenregelung zwischenzeitlich wieder ab und erholte sich mit der Wiedervereinigung Deutschlands. Seit rund zehn Jahren weist die Mischfutterherstellung in Deutschland ein konstant hohes Produktionsniveau von jährlich zwischen rund 19 und nahezu 22 Millionen Tonnen auf.