Begriffliches
Die moderne Pflanzenzüchtung verändert mit biotechnologischen Verfahren das genetische Potenzial von Nutzpflanzen gezielter als dies mit konventionellen Züchtungsmethoden je möglich war. Dabei können auch die Artgrenzen übersprungen werden. Die Grüne Gentechnik bleibt jedoch nur eine von mehreren Methoden, um das Erbgut von Pflanzen oder Mikroorganismen in die gewünschte Richtung zu verändern. Gleiche oder ähnliche Anwendungsbereiche finden sich auch in der sogenannten „roten Gentechnik“ im Medizinbereich und der "Weißen Gentechnik" bei technischen Anwendungen. Dort sind diese Methoden mittlerweile akzeptiert. Die Veränderung der Pflanzen durch gentechnische Verfahren konzentriert sich heute in erster Linie darauf, den Nutzpflanzen bestimmte Eigenschaften zu geben, die sich positiv auf die Produktion dieser Pflanzen auswirken: Resistenzen gegenüber bestimmten Pflanzenschutzmitteln oder auch Resistenzen gegenüber Krankheiten. Mit Hilfe dieser Methoden der Erbgutveränderung ist es auch möglich, die Pflanzen mit einem eigenen Schutz gegen bestimmte Schädlinge auszustatten, die sonst nur mit Insektiziden und Pflanzenschutzmitteln bekämpfbar wären. Ferner können auch die Inhaltsstoffe von Nahrungspflanzen positiv beeinflusst werden. Ein Beispiel hierfür ist die Entwicklung des Golden Rice, einer mit Vitamin A angereicherten Reissorte. Andere Forschungsarbeiten zielen darauf ab, mit Hilfe von gentechnischen Verfahren bestimmte allergene Substanzen aus Nahrungspflanzen zu entfernen und damit einer zunehmenden Anzahl von Allergikern zu mehr Lebensqualität zu verhelfen.
Ist die Grüne Gentechnik eine Risikotechnologie?
Gentechnisch veränderte oder mittels Gentechnik hergestellte Produkte durchlaufen weltweit einen langen und aufwändigen Zulassungsprozess. Kaum ein Lebensmittel oder Futtermittel konventioneller Erzeugung wird so intensiv und umfangreich untersucht wie die aus Gentechnikanwendungen stammenden. Prinzipiell birgt die Gentechnik keine Gefahren, die sich in einer mangelnden Futter- oder Lebensmittelqualität niederschlagen könnten. Alle wissenschaftlichen Untersuchungen haben ergeben, dass die heute für eine Verwendung in Lebens- und/oder Futtermitteln freigegebenen gentechnisch veränderten Organismen (GVO) unbedenklich sind und keine besonderen Risiken – weder für die Nutztiere noch für die menschliche Ernährung darstellen. Tiere, die mit gentechnisch veränderten Futtermitteln gefüttert werden, erfahren dadurch keine Änderungen an ihrem Erbgut. Demnach sind auch deren Produkte wie Eier, Milch oder Fleisch unverändert. Im Laufe der langjährigen Kontroverse hat sich die Kritik von Seiten der Gentechnik-Skeptiker von den Bereichen Lebensmittelsicherheit und gesundheitlicher Verbraucherschutz völlig entfernt und fokussiert sich nun auf mögliche Einflüsse der Freisetzung von GV-Nutzpflanzen auf den Naturhaushalt und auf soziale und sozioökonomische Fragen.
Wo findet Grüne Gentechnik heute statt?
Vor diesem Hintergrund wird Grüne Gentechnik heute in vielen Ländern außerhalb der EU im Pflanzenbau sowie wie in der Wirkstoffherstellung angewandt und hat auch in der Lebensmittelherstellung längst Einzug gehalten. Jeder hat mit Sicherheit bereits Lebensmittel zu sich genommen, die in irgendeiner Form mit Gentechnik in Berührung gekommen sind. Sehr viele Lebensmittel enthalten heute auch bei uns Basisstoffe, die aus gentechnisch veränderten Pflanzen gewonnen werden können. Klassische Beispiele sind Maisstärke aus gentechnisch verändertem Mais oder Sojaöl aus gentechnisch veränderten Sojabohnen. Auch viele Zusatzstoffe werden mittels gentechnisch veränderter Organismen hergestellt. Oftmals enthalten die so erzeugten Lebensmittel jedoch selbst keine gentechnisch veränderten Bestandteile, d. h. sie sind naturidentisch. Die Bundesregierung schätzt, dass derzeit bereits rund 70 Prozent unserer Nahrungsmittel mit Gentechnik in Berührung gekommen sind.






